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"Freundschaft ist wichtiger als Herkunft" – Jugendliche werden "Klar im Kopf"

29.06.2016

Isabell (18) kennt neugierige Blicke. Nicht wegen ihrer schwarzen Haaransätze, die verraten, dass sie Wurzeln in Mazedonien hat. Sondern wegen der grün gefärbten Spitzen. Wo ein Mensch herkommt, ist ihr und ihren Freunden allerdings relativ egal. Menschen können nerven, egal ob deutsch oder aus einem anderen Land, findet sie. Isabell probiert gerade verschiedene Berufe bei der Jugendberufshilfe in Rath aus. Zwei ihrer Kollegen sind afrikanische Flüchtlinge. "Mit denen versteh ich mich gut", sagt sie, "einfach, weil sie nett sind."

Helfen, wo es geht

So einfach kann Zusammenleben sein. Auch für Leo (17), die Isabell vor einem Jahr bei der Jugendberufshilfe kennengelernt hat. Leo hat mit Politik nicht viel am Hut, sagt sie selbst. Trotzdem hat sie ihren Freund bei einer Anti-Pegida-Demo kennengelernt. Und trotzdem greift sie ein, wo die gebraucht wird. "Hier in der Werkstatt konnte ein Flüchtling nicht die Uhr lesen", erinnert sie sich, "da habe ich ihm das schnell beigebracht." 

Leo hatte bislang vor allem deutsche Freunde. Bei der Jugendberufshilfe hat sie die Halb-Mazedonierin Isabell kennengelernt. Sie wurde zu einer ihrer besten Freundinnen. "Es geht doch schließlich nicht um Herkunft", sagt Leo. Und Isabell ergänzt: "Sondern um den Charakter und um Freundschaft."


Konzept stärkt Jugendliche gegen Hetzer


Solche Aussagen wünscht sich die Jugendberufshilfe von allen 700 Jugendlichen in ihren neun Einrichtungen in Düsseldorf. Dafür hat sie das Konzept "Klar im Kopf" entwickelt. Das soll Jugendliche und das Zusammenleben in der Gesellschaft stärken. Und es soll sie davor schützen, auf Rechtsradikale, Pseudo-Salafisten oder andere Hetzer reinzufallen.

Jugendberufshilfe hilft beim Weg in den Job

Die Jugendberufshilfe hilft Jugendlichen beim Übergang von der Schule in den Beruf. Sie ist für junge Menschen bis 25 Jahre da, wenn sie keinen Schulabschluss haben, ohne Arbeit sind oder keinen Ausbildungsplatz finden. Sie werden dort für den Beruf und die Ausbildung vorbereitet.

Der Übergang von der Schule zum Beruf sei der ideale Zeitpunkt, um einer Radikalisierung vorzubeugen, findet Mike Theisen, der Projektentwickler der Jugendberufshilfe. Deswegen sei das Konzept "Klar im Kopf" dort genau richtig. Das Konzept soll es künftig aber auch an Schulen in Düsseldorf geben.

Idee von Jugend und Muslimen

Das Besondere an "Klar im Kopf" ist, dass die Idee dazu von Juden und Muslimen kommt. Der Landesverband der Jüdischen Gemeinden von Nordrhein und der Kreis der Düsseldorfer Muslime haben zusammengearbeitet. Ihr Wunsch: Judenhass und rassistische Meinungen sollen aufhören. Und Jugendliche sollen auch immun gegen salafistische Hetze werden.

"Wir haben festgestellt, dass sich Jugendliche nicht in unseren 33 Moschee-Gemeinden radikalisieren", sagt Dalinc Dereköy vom Kreis der Düsseldorfer Muslime. "Das passiert außerhalb." Betroffen seien Jugendliche, die wenig gebildet sind, nicht so viel Geld zur Verfügung haben, schon einmal kriminell geworden sind und Migrationshintergrund haben. "Diese Jugendlichen möchten wir stärken. Sie sollen mehr am Leben teilhaben und mehr Mitgefühl mit anderen haben", erklärt Dereköy.

Jugendliche machen Ausflüge und lernen

Bei Isabell und Leo ist diese Idee schon angekommen. Sie wünschen sich, dass alle Menschen mehr Rücksicht aufeinander nehmen. Die Pädagogen der Jugendberufshilfe wurden mit "Klar im Kopf" bereits weitergebildet. Die Jugendlichen in den Einrichtungen lernen jetzt in Kursen interkulturelle Kommunikation – also beispielsweise, wie man sich in anderen Ländern begrüßt.

Andere Jugendliche werden gemeinsam das KZ Buchenwald besuchen, haben den jüdischen Friedhof gesäubert, das Flüchtlingsheim an der Heyestraße renoviert. Sie sprechen über rechtsextreme Falschmeldungen im Internet, besuchen Moscheen, Synagogen und Kirchen. Isabell war bereits mit ihrer Gruppe aus der Jugendberufshilfe in einer Moschee. "Das war total interessant", sagt sie. Der Gebetsraum, die Waschbecken, das Reinigungsritual haben sie beeindruckt. 

Im Juli ist außerdem ein Rundgang durch Oberbilk geplant, danach ein Foto- und Video-Projekt zum Thema Respekt und Toleranz.

Gutes Zusammenleben im Alltag

Viel bekommen die Jugendlichen auch untereinander mit, weiß Theisen von der Jugendberufshilfe. Viele junge Menschen dort haben Migrationshintergrund, einige sind Flüchtlinge. Wie die Jugendlichen mit Menschen anderer Herkunft umgehen, lernen sie also dort bereits am Mittagstisch. "Klar im Kopf" soll helfen, noch mehr Begegnungen zu schaffen und die Persönlichkeit der Jugendlichen zu stärken.

von youpod

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