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Alles umsonst

22.05.2013

Kleidung, Spiele, Essen - alles wird teurer und das Portemonnaie ist gähnend leer. Wie schön es doch wäre, wenn das alles nichts kosten würde. Geht nicht? Geht doch! Drei Düsseldorfer Projekte machen vor, wie das funktioniert. Deutschland lebt im Überfluss.

454 Kilogramm Müll produziert jeder von uns pro Jahr. Darunter viele Lebensmittel aber auch viele Alltagsgegenstände: Die alten Kinderspielzeuge braucht doch keiner mehr und die Hosen stammen aus besseren Zeiten. Wofür ein Discman, wo doch das neue Handy MP3-Dateien abspielt? Und das Puzzle, das Oma uns zum letzten Geburtstag geschenkt hat, haben wir nicht einmal ausgepackt, sondern direkt zu den alten Büchern in den Keller. Alles Müll? Keineswegs, wie drei Düsseldorfer Projekte zeigen.

"Givebox", "Umsonstladen" und "share & care" nennen sich die Ideen, die auf Nachhaltigkeit setzen und dabei allen Teilnehmern eine Sache versprechen: Alles ist umsonst! "Eine GiveBox muss fast so nah sein wie eine Mülltonne" Mitten auf dem Kirchplatz in der Düsseldorfer Innenstadt steht eine Box. Die Box ist aus Holz, etwa so hoch wie ein Türrahmen und das einzig auffällige an ihr ist ein oranger Vorhang, der ihr Innenleben versteckt. Zieht man ihn beiseite, entdeckt man Regale, die vollgestellt sind mit allerlei Dingen: Bücher, Spiele, Rollerskates, einige Stofftiere, ein alter GameBoy. Als würde das kleine Häuschen dazu einladen, diese Dinge heimlich mitzunehmen. Doch verstecken muss sich hier niemand, denn genau dafür liegen diese Kostbarkeiten dort: zum Mitnehmen. Jeder, der hier vorbeikommt, darf sich etwas aus der Box herausnehmen, wenn er es braucht und zwar bedingungslos. Ganz ohne Geld. Geschenkt. Rund um die Uhr.

"Die Idee stammt aus Berlin. Ein junger Mann hatte seine Wohnung ausgeräumt und wollte noch brauchbare Gegenstände nicht wegwerfen. Da hat er vor seinem Haus eine einfache Box aus Holz gebaut und seine Nachbarn dazu eingeladen, sich zu bedienen", erzählt Hildegard Düsing-Krems, eine der Düsseldorfer Givebox-Gründerinnen, "Doch die Nachbarn nahmen nicht nur etwas aus der Box heraus, sondern legten auch eigene Gegenstände hinein, die sie selbst nicht mehr brauchten."

Das Prinzip der Givebox war geboren. "Am Anfang war das für uns eine Art Guerilla-Boxing. Wir haben die erste Box in Gerresheim ohne Genehmigung aufgestellt und gehofft, dass sie möglichst lange stehen bleibt", erinnert sich Düsing-Krems, "inzwischen hat die Stadt aber alle Boxen erlaubt".

Boxen gibt es inzwischen in verschiedenen Stadtteilen in Düsseldorf. Einige wurden zerstört, andere kamen hinzu. Eine Übersicht gibt es auf der Facebook-Seite. 

Außerdem gibt eine mobile Box, die ihren Standort wechseln kann. Auf diesem Weg können größere Veranstaltungen begleitet oder das Prinzip der Boxen vorgestellt werden. Weitere sind in Planung. "Eine GiveBox muss fast so nah sein wie eine Mülltonne, dann kann sie jeder nutzen", sagt Hildegard Düsing-Krems. Ein Besuch in einer der Boxen kann sich wirklich lohnen. Neben Büchern und Kleidung finden sich auch Geräte wie Plattenspieler. Düsing-Krems weiß: "Auch für junge Menschen bieten die Boxen viel. Für Musikinteressierte gibt es Schallplatten und CDs, manchmal finden sich ganze DVD-Staffeln bekannter Serien oder auch Schulzeug wie Schreibhefte". Damit die Boxen auch voll bleiben, ist jeder dazu eingeladen, alte, aber noch brauchbare Dinge vorbeizubringen und hier einzulagern.

Neben den Giveboxen gibt es in Düsseldorf auch offene Bücherschränke, in die ihr ausgelesene Bücher hineinstellen und neue mitnehmen könnt.

Ein Neukauf ist nicht immer der beste Weg

Ein ganz ähnliches Konzept wie die Giveboxen verfolgt der Düsseldorfer "Umsonstladen". Der kleine Laden an der Heerstraße in der Nähe des Oberbilker S-Bahnhofes ist eine Art begehbare Givebox. Auch hier kann jeder Mensch vorbeikommen, etwas vorbeibringen oder etwas mitnehmen. Ein Tausch ist dabei keine Pflicht: Niemand muss etwas mitbringen. Den Gründern ist dabei sehr wichtig, dass der Laden nicht nur arme Menschen als Zielgruppe hat. Jeder ist willkommen, egal wie hoch sein Einkommen oder Taschengeld ist. Das Ziel des Umsonstladens ist , für den übermäßigen Konsum des Menschen zu sensibilisieren und zu verdeutlichen, dass ein Neukauf von Dingen nicht immer der beste Weg ist. Auf ihrer Facebook-Seite schreiben die Gründer, dass "der Wert von Waren nicht gleichbedeutend mit einer Nummer auf einem Preisschild ist".

Deshalb gibt es eine Bedingung: Die Gegenstände sind nicht dafür gedacht, dass sie mitgenommen und dann verkauft werden. Der Umsonstladen hat zweimal pro Woche, immer freitags und sonntags von 14 bis 18 Uhr geöffnet. Helfer werden immer gesucht, jeder kann mitarbeiten.

Suchen, finden, leihen - share & care

Eine dritte Umsonst-Idee ist die Facebook-Gruppe "share & care Düsseldorf". Hier können konkrete Gegenstände gesucht oder angeboten werden. Das Angebot reicht dabei von einem Kleintierhaus für Hamster oder Kaninchen über Brotbackmaschinen, künstliche Weihnachtsbäume bis hin zu Nähmaschinen. In der Gruppe werden nicht nur Dinge verschenkt, sondern auch verliehen. Die neue Lampe muss aufgehängt werden aber der eigene Bohrer ist zu schwach?

Kein Problem: Einfach nach einem größeren Bohrer fragen und abwarten. Meist kommt eine Antwort mit einem Angebot innerhalb weniger Stunden. Und auch hier gilt: Alles ist umsonst, niemand muss etwas bezahlen. All diese Projekte und Ideen leben von Menschen, die daran teilhaben und aktiv mitmachen. Auch Jugendliche sind jederzeit willkommen.

von Kai-Inboden

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