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Gott – Eine antike Komödie von Woody Allen

02.02.2019

Dabei ist es ganz einfach: Wenn du ein Stück schreibst, dann fang mit dem Schluss an! Sieh zu, dass du wirklich einen starken Schluss hast und dann schreib von hinten nach vorne!

Wir befinden uns mitten in einer schier ausweglosen Problemsituation. Ein Schriftsteller und ein Schauspieler streiten sich um das Ende eines Theaterstücks. Einen Anfang und eine Mitte hat das Stück schon, nur ein geeigneter Schluss fehlt noch. Warum es ein Ende braucht? Ist doch klar! Alles in der Natur hat einen Anfang, eine Mitte und ein Ende! Nur was ist eigentlich mit einem Kreis? Sei es drum! Den beiden chaotischen Griechen läuft die Zeit davon, denn das berühmte Athener Dramen-Festival steht kurz bevor. Also probieren der Schauspieler Diabetes und der Schriftsteller Hepatitis verschiedene Endszenarien durch und liefern sich immer wieder haarsträubende Wortgefechte. Aber irgendwie scheint nichts zu passen und sie stehen abermals kurz davor, einfach alles hinzuschmeißen und einfach bei Vapiano Essen zu gehen. Dann bricht auch noch die vierte Wand auf und sie beschweren sich beim Publikum. Aber gehört das Publikum nicht vielleicht auch zum Stück dazu? In tiefster Verzweiflung rufen sie ihren Schöpfer Woody Allen per Telefon an und bitten um Rat. Es entsteht ein wildes Stück-im-Stück, indem philosophische Fragen im Eiltempo aufgeworfen und gleich wieder überworfen werden. Und als sie dann doch ein perfektes Ende gefunden haben, scheitern sie während der Vorstellung, denn einer verpasst seinen Auftritt: Gott. Aber gibt es überhaupt einen Gott? 

Gott heißt die Komödie, die in der Antike im Jahr 500 v.Chr. spielt. Geschrieben hat das Theaterstück der berühmte Autor und Regisseur Woody Allen im Jahr 1975. Der Hausregisseur des Schauspiel Kölns Moritz Sostmann hat diesen Stoff hervorgeholt und ihn in der Außenspielstätte am Offenbachplatz mit sieben Schauspielerinnen und Schauspielern inszeniert. Die Premiere des 80-minütigen Theaterabends war am 12. April 2018

Der Zuschauer blickt geradewegs auf ein riesiges Gemälde (Titel: Akropolis bei Sonnenuntergang) eingebettet in einen goldenen Rahmen. Darauf ist eine antike Landschaft und die Akropolis auf einem Berg zu sehen. Gespielt wird auf einem Gummi-Boden im Laminatstil, rechts im hinteren Bühnenraum steht eine große metallische Leiter. Im Laufe des Abends öffnen sich nach und nach geheime Klappen und Türen im Gemälde bis hin zu einem kleinen Puppentheater mit rotem Vorhang (Bühne und Kostüme: Klemens Kühn). Es ist in erster Linie ein Abend über das Theatermachen, das Verhältnis von Autor und Schauspieler. Daneben fliegen immer wieder philosophische Fragen in den Raum rein und die Absurdität des Lebens wird proklamiert. Es wird über #MeToo und Sex diskutiert, die Wirklichkeit wird hinterfragt. Daneben verwebt der Regisseur den Stücktext mit aktuellen Themen und Gegebenheiten aus dem Schauspiel Köln (Walther Tell aus Wilhelm Tell tritt auf, weil er aus seinem Stück aus Angst vor dem Apfelschuss geflohen ist) und der Gesamtgesellschaft. 

Es ist ein kurzweiliges Theaterstück, das in einem humorvollen und absurden Setting diverse Fragen aufwirft und die verschiedenen Ebenen aufbricht. Dabei arbeitet der Regisseur mit unterschiedlichen künstlerischen Mitteln (u. a. Puppenspiel) und schafft so durch oftmals ganz simple Techniken einen höchst unterhaltsamen und anregenden Theaterabend, der auch ohne Schluss bestens aus- und ankommt. "Applaus"-Schild hoch und Beifall an. Den hat sich das künstlerische Team auf und hinter der Bühne redlich verdient!

***Noch mehr #Theatertipps findet ihr auf youpod.de/theater.***

von Marvin

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