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Warum gibt es eigentlich Zeugnisse?

02.02.2017

Es ist wieder soweit: Am Freitag gibt es Zeugnisse. Bei der Beurteilung des Leistungsstandes in den einzelnen Schulfächern könnten Leid und Freunde  kaum näher beinander liegen. Wenn die einen glückselig und voller Stolz nach Hause gehen, ist für manch anderen jeder Schritt gen Heimat einer zu viel – oder es ist einem halt egal. Nichtsdestotrotz: Die Wichtigkeit von Zeugnissen kann man der heutigen Welt nicht absprechen. Es lohnt sich also, der Herkunft von Zeugnissen und ihrem Sinn genauer auf den Grund zu gehen. 

Zeugnisse: Eine Erfindung der Neuzeit? 

Zeugnisse ziehen sich durch unser Schulleben. Wo früher noch in den ersten Klassen schriftliche Beurteilungen wie „Sie ist aufmerksam und hilfsbereit.“ oder aber „Seine Konzentration lässt zu wünschen übrig.“ gängig waren, wird man später mit reinen Noten für seine Leistung konfrontiert. Das war aber schon nicht immer so.

Erst im 18. Jahrhundert wurden Zeugnisse „erfunden“. Schulen erlebten im Zuge der Reformation einen „Boom“, man besann sich mehr auf die denkerischen Fähigkeiten des Menschen. Damals konnte man sich aber noch mündlich Meinungen zum Lehrling einholen – meist war dies aber für die Ausbildung gar nicht interessant. Warum nun also Zeugnisse?

Vom Empfehlungsschreiben zur Eintrittskarte in die Schule

Zeugnisse waren eine Art Empfehlungsschreiben, sogenannte Benefizienzeugnisse. Sie ermöglichten Schülern aus ärmlichen Verhältnissen, die Lateinschule zu besuchen. Pfarrer oder Vertreter der Administration händigten allerdings keine Noten aus, sondern beurteilten Tugenden wie Fleiß oder den Charakter. Später erst bekamen Zeugnisse die Zulassungsfunktion: Hier wurden zukünftige Schulen, aber auch das Kind und die Eltern über den Wissensstand und die Begabung unterrichtet. 

Mit der Einführung der Schulpflicht kam um 1800 auch der Nachweis des Schulabschlusses hinzu, der sogenannte „Schulentlassungsschein“. Dieser enthielt ebenfalls Beurteilungen über das Verhalten und bestätigt den Schülerinnen und Schülern das Ende der Schulpflicht. Im späteren Verlauf entwickelte sich dieses auch als Maturitätszeugnis zur Immatrikulation an der Universität und eröffnete neue berufliche Möglichkeiten im höheren Staatsdienst. 

Kopfnoten als Bewertung des Verhaltens im Unterricht

Heute gehören Zeugnisse zum schulischen und universitären Alltag. Es gibt Versetzungszeugnisse, Halbjahreszeugnisse, Abschlusszeugnisse, Abgangszeugnisse und Ausbildungsabschnittszeugnisse. Ein Leben ohne Zeugnisse? Heute undenkbar. Wir sind daran gewöhnt, dass unsere Leistung bewertet wird. 

Benotet werden aber nicht nur die schulischen Leistungen wie das Wissen und Engagement im Unterricht, auch Kopfnoten, die über das Sozial- und Arbeitsverhalten, aber auch allgemeines Benehmen des Schülers oder der Schülerin Aufschluss geben, gibt es. Nicht relevant für die Versetzung, jedoch vermitteln sie Eltern oder potentiellen Arbeitgebern einen Eindruck vom Verhalten. Wir wissen nun, dass diese Beurteilung der Anfang der Zeugnisse im 18. Jahrhundert war. Warum diese jedoch heute noch teilweise von Bedeutung ist, hängt mit der deutschen Geschichte zusammen.

Kopfnoten sind abhängig vom Bundesland

Kopfnoten stammen noch aus dem Schulsystem der DDR, wo man Ordnung, Mitarbeit, Fleiß und Betragen beurteilte. In einigen Bundesländern wurden sie abgeschafft, in anderen existieren sie heute noch – denn Bildung ist Aufgabe der einzelnen Länder. In Nordrhein-Westfalen wurden die Kopfnoten so nach nur drei Jahren 2010 mit dem Wechsel zur rot-grünen Landesregierung wieder abgeschafft. 

Was tun bei ungerechten Noten?

Nicht immer sind wir mit der Notengebung der Lehrer zufrieden. Oft haben wir den Eindruck, dass sie ungerecht ist und nicht neutral gegeben wurde. Selbst wenn es eine faire Beurteilung ist, müssen wir aber noch lange nicht mit ihr zufrieden sein – schließlich hängt die weitere berufliche Entwicklung vom Zeugnis ab. 

Die Stadt Düsseldorf hat zu diesem Anlass die Nummer gegen Zeugniskummer eingerichtet. Dort finden Schülerinnen und Schüler wie auch Eltern ein offenes Ohr und Expertenwissen. Fachleute geben Antworten auf rechtliche Fragen oder helfen bei Problemen mit der weiteren Schullaufbahn.

Jetzt seid ihr gefragt: Findet ihr Noten gerechtfertigt? Seid ihr zufrieden? Würdet ihr lieber in einem System ohne Beurteilung leben? Wie gefällt euch euer Zeugnis?

Schreibt eure Gedanken in die Kommentare oder auf Instagram, Twitter oder Facebook unter dem Hashtag #düsselzeugnis 

von youpod

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