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Belästigung – im Karneval ist nicht alles erlaubt

04.02.2015

  • Karneval_Akrobatisch.jpg - Belästigung – im Karneval ist nicht alles erlaubt - jt

Im Karneval ist nicht alles erlaubt. Das macht der Fall von Venetia Claudia deutlich, die von halbnackten Männern auf der Bühne angetanzt wurde. Belästigungen sind in der jecken Zeit vor allem bei Frauen keine Seltenheit. Das verurteilen beinahe alle Karnevalisten. Doch es gibt Tipps, wie sich Mädchen verhalten können. Viel Alkohol, hier ein doofer Spruch, da eine unangenehme Berührung. Das gehört zum Karneval genauso dazu wie Spaß und ausgelassene Stimmung. Doch es sollte nicht. Durch den Fall der Venetia Claudia könnten sich die Düsseldorfer das wieder in Erinnerung rufen. Venetia stand bei einer Karnevalssitzung auf der Bühne, wurde von zwei halbnackten Männern angetanzt und dabei berührt. In der Presse sagte sie, sie habe sich nicht sexuell belästigt, aber unwohl gefühlt und wusste nicht, wie sie sich verhalten sollte. Unwohlsein ist schlimm genug Dieses Unwohlsein reicht schon, sagt Birgit Polz von der Beratungsstelle ProMädchen. "Das ist ein Signal an uns", sagt sie. "Wir müssen Vertrauen in uns haben und darauf hören. Auch, wenn der Verstand sagt: Der meint das ja nicht so." So dürfe man nicht denken. Seinem Instinkt zu folgen sei wichtiger, als allen Leuten gefallen zu wollen. Und der Wunsch nach Gefallen ist schnell da. Vor allem Mädchen möchten nicht als prüde gelten. Prüde, dieses Wort hat Beraterin Polz schon lange aus ihrem Wortschatz gestrichen. Es verschleiert natürliche Ängste und schiebt dem Mädchen die Schuld zu. Wie aktuell es dennoch ist, zeigen viele Internet-Kommentare auf den Fall Venetia. Sie gehen in die Richtung: Die soll sich nicht so anstellen, es ist halt Karneval. Karnevalisten verurteilen Belästigung Eine gefährliche Einstellung, die organisierte Karnevalisten nicht teilen. Christian ist seit Jahren in einem Karnevalsverein, tritt mit seiner Gruppe in jeder Session bei zahlreichen Sitzungen auf und ist immer mitten im bunten Treiben. "Alle Karnevalisten sagen, so etwas ginge überhaupt nicht", sagt Christian. Tanzmariechen angetatscht Alle wüssten wie häufig so etwas vorkommt. Einmal pro Session erlebt er, dass ein Tanzmariechen angetatscht wird. Sprüche deutlich unter der Gürtellinie seien Alltag. Dabei sind einige Tanzmariechen sogar minderjährig. Bei einer Karnevalssitzung im vergangenen Jahr ließ sein Verein die Mädchen der Gruppe mit zwei Jungen draußen vor dem Saal stehen. "Die Jecken drinnen waren total alkoholisiert", erklärt Christian. "Wir sind dann nur mit den Jungs rein." Die müssten die Mädchen und Frauen regelmäßig beschützen. Christian ist selbst bestürzt, dass sich selbstständige und teils erwachsene Karnevalistinnen an den jecken Tagen nicht frei bewegen können. "Manche Sprüche sind nett und die Mädels spielen damit", sagt Christian. Aber im Karneval werde es häufig sehr ernst. Klare Grenzen setzen Auch wenn der Spruch noch so nett ist, sobald sich ein Mädchen unwohl fühlt, darf sie die Situation nicht einfach weglächeln, warnt Polz von ProMädchen. "Männer denken dann, das sei Spaß." Sie sagt, Mädchen sollten klare Grenzen setzen. Nicht dramatisieren, aber deutlich und direkt sagen, dass sie das gerade nicht gut findet. Konsequent sein, hilft häufig schon. Falls nicht, sollten sie bei Freundinnen und Freunden Hilfe suchen. Oder Passanten ansprechen. "Am besten aber keine Gruppen ansprechen", sagt Polz. "Besser einzelne Personen fragen." Damit sich die Person auch angesprochen fühle, helfen Beschreibungen: Du da in der weißen Jacke, kannst du mal kommen. Auch den Standort zu wechseln kann hilfreich sein. Hemmschwelle gesunken Mädchen sollten nicht alleine unterwegs sein, sondern am besten zu viert. Falls etwas passiert, könnten zwei Mädchen Hilfe holen und zwei blieben gemeinsam zurück. In einer Kneipe könnten sie zum Wirt oder zur Security gehen. "Die haben die Pflicht zu helfen", erklärt die Beraterin. Und natürlich stünden an Karneval an allen Ecken Polizisten, an die man sich wenden könne. Übrigens gelten diese Tipps immer. "Besonders in der Altstadt ist es schlimm", sagt Polz. "Aber nicht nur zu Karneval." Sie habe beobachtet, dass die Hemmschwelle für Belästigungen generell niedriger geworden ist. An Karneval sei es aber noch schlimmer.

von jt

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