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Artgerechte Tierhaltung

Hmm, lecker Schnitzel vom Grill oder Nudeln mit Gehacktes-Sauce... Dass für diesen Genuss Lebewesen unter Bedingungen leben und sterben müssen, die oft sehr belastend und stressig sind, das stellen wir uns beim Essen lieber nicht so deutlich vor.

Drückende Enge, Stress, Langeweile, Gesundheitsprobleme, Verhaltensstörungen - mehr hat das Leben vielen Tieren, die später auf unserem Teller landen, nicht zu bieten. Aber wie bei den meisten Produkten ist auch Fleisch nicht gleich Fleisch. Man kann auch solches kaufen, das von Tieren kommt, die artgerecht gehalten wurden und ein besseres Leben hatten.

Nicht genug Platz

Wenn man Tiere artgerecht halten will, muss man das angeborene Verhalten und die Bedürfnisse von Kühen, Schweinen, Hühnern etc. kennen und versuchen, das so gut wie möglich auf den Bauernhöfen umzusetzen. Wenn man also beispielsweise weiß, dass Tiere ihren Haufen nie dorthin machen, wo sie schlafen oder fressen, dann sollten sie dieses Verhalten auch in Gefangenschaft nicht ändern müssen. Oder: Kein Tier lebt von Natur aus freiwillig in geschlossenen Räumen, man sollte ihnen also immer die Möglichkeit geben, an die frische Luft zu können. Auch der Kontakt untereinander spielt bei Tieren in freier Wildbahn eine große Rolle. Geschützte Rückzugsmöglichkeiten sind genauso wichtig wie freundschaftliche Begegnungen und geselliges Beisammensein.

Die Wirklichkeit sieht für die meisten Nutztiere leider anders aus: Der größte Teil der Schweine, Kühe, Puten und Hühner lebt auf engem Raum. Sie sollen sich nicht so viel bewegen, weil sie dann weniger Energie verbrauchen und schnell an Gewicht zulegen und es müssen einfach nicht so große Ställe gebaut werden. Der Lebensraum der Nutztiere ist nicht nur extrem knapp, sondern auch unbequem und kann zur Verletzungen führen. So sind z.B. in der Haltung von Mastschweinen Spaltenböden üblich. Das sind Betonböden, die Spalten oder Löcher haben, durch die der Kot der Tiere fällt. Stroheinstreu? Fehlanzeige. Dabei wäre sie so wichtig für das Wohlbefinden und das Ausüben arteigener Verhaltensweisen der Schweine. Aber Stroheinstreu macht Arbeit und kostet Geld. Der Verzicht darauf erspart dem Bauern das Ausmisten - führt aber nicht selten bei den Schweinen zu Druckstellen, Verletzungen, Stress und Verhaltensstörungen.

Bei den Kühen sieht es nicht viel besser aus: Kühe produzieren z. B. nur dann Milch, wenn sie Kälber haben (für die die Milch ja ursprünglich gedacht war...). Also bringt jede Milchkuh pro Jahr jeweils eine Babykuh zur Welt, die aber nur wenige Tage bei der Mutterkuh trinken darf. Dann werden die Kälber von der Mutter getrennt und wenn sie Pech haben, in die Intensivmast gebracht. Dort stehen sie in den ersten zwei Wochen Tag und Nacht in engen Boxen mit Vollspaltenböden, werden mit Milchaustauschern gefüttert und viel zu viele Kälber sterben schon in den ersten Lebenswochen, ohne jemals eine Weide betreten zu haben. Das helle, zarte Kalbfleisch gilt als besondere Delikatesse und wird z. B. zu Wiener Schnitzel verarbeitet.

Psychische Belastung

Ein weiteres großes Problem in der intensiven Tierhaltung - in den Medien oft als "Massentierhaltung" bezeichnet - ist die große psychische Belastung und der Stress, unter dem die Tiere vielfach stehen. Den Schweinen werden in der Regel die Ringelschwänze abgeschnitten, damit sie sich nicht gegenseitig aus Langeweile und Aggression in den Schwanz beißen. Puten und Hühner sind vom Leben in riesigen Gruppen generell überfordert. Sie leben normalerweise in überschaubaren "Teams" mit einer klaren Rangordnung. Wenn es zu viele "Kollegen" sind, können sie sich die Rangordnung des anderen Vogels nicht mehr merken und reagieren aggressiv: Sie picken nach den Artgenossen - bis hin zum Kannibalismus - oder reißen sich vor Frust die eigenen Federn aus.

Massenhaft Medikamente

Leider ist auch der Einsatz von Medikamenten in der Intensivhaltung weit verbreitet. Besonders heikel ist dabei die massenhafte Verabreichung von Antibiotika. Das Problem: Bakterien sind sehr anpassungsfähig und bilden Resistenzen gegen Antibiotika, d.h.: die Medikamente wirken einfach nicht mehr. Manche schlimmen Lebensmittelinfektionen müssen mit Antibiotika behandelt werden - wenn die Infektion aber durch resistente Bakterien verursacht wurde, helfen die Antibiotika nicht und die Erkrankung verläuft schwerer und dauert länger. Die Wissenschaft muss also immer neue Antibiotika erfinden, um schlimme Krankheiten heilen zu können. Aber das ist gar nicht so einfach. Man will sich lieber nicht ausmalen, wie die Welt aussähe, wenn es keine wirksamen Mittel mehr gegen gefährliche Bakterien gäbe! Besser wäre es daher, wenn man Tiere so halten würde, dass diese möglichst wenig Medikamente brauchen.

Verbraucher und Politiker, denen die eigene Gesundheit und die der Tiere am Herzen liegt, fordern daher für die Fleisch-, Eier- und Milchproduktion:

  • ausreichend Fläche für die Tiere zum Bewegen
  • Trennung von Plätzen zum Fressen, Ruhen und Koten
  • ganzjähriger Auslauf
  • Beschäftigungsmöglichkeiten, keine Langeweile
  • ausreichend Frischluft und natürliches Tageslicht im Stall
  • Kontakt zu Artgenossen

Ihr werdet euch sicher denken können, was das für euch bedeutet, wenn die Tiere artgerecht gehalten werden: Fleisch, Eier und Milch werden teurer. Dann wird man kein Kilo Bratwurst mehr finden, das 3,50 Euro kostet und damit preiswerter ist als so manches Kilo Obst. Wer nun sicher gehen will, dass gekauftes Fleisch von möglichst glücklichen Tieren stammt, hat zwei Möglichkeiten:

Bio-Fleisch gibt es schon länger auch in ganz normalen Geschäften und natürlich bei Bioläden, Ökomärkten etc. Auch wenn es bei "Bio" in erster Linie um Umweltschutz geht, so beinhalten die Vorschriften für die ökologische Tierhaltung aber auch mehr Tierschutz, z. B. durch mehr Platz und Einstreu im Stall und Auslauf im Freien. Auch beim Einkauf von konventionellem Fleisch könnt Ihr Euch für mehr Tierschutz entscheiden. Seit Januar 2013 gibt es zwei Zeichen von Tierschutzverbänden, die vertrauenswürdig signalisieren, dass das Fleisch von Tieren stammt, die ein deutlich besseres Leben hatten als in der üblichen Intensivhaltung - mehr dazu hier.

Übrigens...

Das betrifft auch eure persönlichen Freunde...Wer seinen von Natur aus nachtaktiven Hamster ständig tagsüber weckt, seinen Hund mit Schokolade füttert, gesellige Vögel einzeln im Käfig hält oder das Reitpferd im Winter nicht auf die Weide lässt, macht es leider auch nicht richtig und sollte mit dem Tierschutz gleich bei sich selbst anfangen.

Links zum Thema:

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von checked4you/Verbraucherzentrale

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