Artikel erstellt am 23.02.2011

Eine Anlaufstelle nach der Flucht

Dieses Jahr sind schon mehr als 100 Jugendliche aus ihren Heimatländern nach Düsseldorf geflüchtet. Alleine haben sie den gefährlichen und mühsamen Weg auf sich genommen und hoffen hier auf Asyl. Ein neues Jugendcafé bringt sie zusammen und hilft.

Raz Mohamad Popalzei ist gerade mal 18 Jahre alt und hat schon viel zu viele schreckliche Dinge erleben müssen. Seit eineinhalb Jahren lebt Mohamad in Düsseldorf-Kaiserswerth, geht dort auf das Theodor-Fliedner-Gymnasium. Ursprünglich kommt er aus Afghanistan. "Da war ich in Lebensgefahr", sagt er. Seine Familie habe er seit drei Jahren nicht gesehen. Mehr möchte er nicht dazu sagen. "Ich bin nach Deutschland gekommen, um Sicherheit, Freiheit und Demokratie zu finden." Mittlerweile hat Mohamad sich in Düsseldorf gut eingelebt, spricht gut Deutsch und hat keine einzige fünf auf dem Zeugnis gehabt, wie er stolz berichtet. Er will bald studieren. Aber: Sein Asylantrag wurde abgelehnt. "Jetzt habe ich wenig Hoffnung."

Deswegen ist Mohamad am Dienstagabend ins Flüchtlingscafé "United" gekommen. Seit Februar bietet die Düsseldorfer Flüchtlingsinitiative Stay Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit dem Café einen Ort zum Zusammenkommen an.

Stay vermittelt den jungen Flüchtlingen auch konkrete Hilfe. Der 18-jährige Mohamad hat sich im Café mit Anwalt Markus Rottmann zusammengesetzt, der den jungen Mann über sein Recht aufklärt und das weitere Vorgehen mit ihm bespricht.

Rottmann weiß: "Wer gut integriert ist, kann nicht automatisch bleiben." Es werde genau geprüft, ob die Person, die Asyl beantragt, tatsächlich politisch verfolgt wird und den Voraussetzungen entspricht. Wer offen über seine schrecklichen Erlebnisse, über Verfolgung, Mord oder Vergewaltigung redet, hat größere Chancen. Doch oft haben die jungen Flüchtlinge die Erfahrungen noch gar nicht verarbeitet. "In Deutschland Asyl zu bekommen ist generell schwierig", lautet deswegen Rottmanns Urteil.

Für die 110 jugendlichen Flüchtlinge, die allein 2011 nach Düsseldorf gekommen sind, sieht es also düster aus. Zumindest haben sie im Café "United" eine Anlaufstelle. Neben der Rechtsberatung dürfen sie dort auch den ernsten Alltag vergessen. Die zurzeit 15- bis 21-Jährigen aus Afghanistan, Somalia oder dem Iran essen und trinken zusammen, machen Waffeln und werden sogar ab und zu von Fortuna Düsseldorf, der DEG und den Giants zu ihren Spielen eingeladen.

Café "United", zweiter und vierter Dienstag im Monat,19 Uhr, in den Räumen von FifytFifty, Ellerstraße 122, Oberbilk

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Autor: jt

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Jugendliche im Café "United".

Foto Jugendliche im Café "United".

© Lukas Kück

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© Lukas Kück